Mit der KTM zur Malinche – und zu Fuß hinauf
Es gibt Tage auf Reisen, die bleiben einfach hängen. Nicht unbedingt, weil man den höchsten Gipfel erreicht oder etwas Spektakuläres sieht, sondern weil plötzlich alles zusammenpasst: die Fahrt, die Landschaft, die Menschen und dieses ganz besondere Gefühl, irgendwo genau am richtigen Ort zu sein. So einen Tag habe ich heute an der Malinche.
Die Malinche
Die Malinche, auch Matlalcueitl genannt, ist mit rund 4.461 Metern einer der markantesten Berge Zentralmexikos. Sie liegt zwischen den Bundesstaaten Puebla und Tlaxcala und gehört zum Nationalpark La Malinche. Der Berg ist vulkanischen Ursprungs und heute ein beliebtes Ziel für Wanderer und Bergsteiger. Benannt ist der Berg nach Malintzin, der indigenen Dolmetscherin und Begleiterin Hernán Cortés’ während der spanischen Eroberung Mexikos.
Für mich ist es heute allerdings weniger eine klassische Bergbesteigung als vielmehr ein erster Versuch, mich diesem gewaltigen Berg zu Fuß zu nähern. Und dafür habe ich mir natürlich das passende Fahrzeug ausgesucht: meine KTM Adventure 390 X.
Ich starte mit dem Motorrad in Cuautlancingo und fahre zunächst über die Periferico und deren Verlängerung, die 119D, bis nach Santa Maria Atluicapilco. Von dort geht es über den Libramiento Tlaxcala weiter bis La Magdalena Tlaltelulco und schließlich über die Bergstraße hinauf zum Centro der Malinche. Schon dort merke ich: Heute wird es nicht langweilig werden.
Zahlreiche Wanderer sind bereits unterwegs, und meine KTM zieht natürlich einige neugierige Blicke auf sich. Immer wieder werde ich angesprochen: Woher kommt das Motorrad? Wie viel Hubraum hat es? Wie schnell fährt es? Die Gespräche sind völlig unkompliziert und freundlich – genau diese kleinen Begegnungen, die das Reisen in Mexiko für mich so besonders machen.
Ich stelle die KTM am Straßenrand ab und registriere mich an der Schranke für den Aufstieg. Als Residente erhalte ich dabei, wenn ich mich richtig erinnere, den entsprechenden vergünstigten Eintritt und bezahle 65 Pesos. Danach heißt es: Stiefel an und los.
Die ersten 1.500 Meter sind ein Spaziergang …
Die Strecke bis zur Berglichtung wird mit knapp vier Kilometern angegeben. Klingt zunächst nach einem gemütlichen Spaziergang – und tatsächlich sind die ersten etwa 1.500 Meter ziemlich entspannt. Danach ändert sich das allerdings deutlich. Der Weg wird immer steiler und anspruchsvoller. Aus normalen Schritten werden kleine Tapser, zwischendurch muss ich mich an Wurzeln festhalten und teilweise sogar auf allen Vieren weiterklettern.
Aber ich bin nicht allein. Überall sind Wanderer unterwegs, und genau das habe ich mir für meine erste Tour auf die Malinche auch gewünscht. Man grüßt sich, kommt miteinander ins Gespräch und feuert sich gegenseitig an. Die Stimmung ist ausgesprochen freundlich und fröhlich – obwohl vermutlich jeder irgendwann an dem Punkt ist, an dem er sich fragt, warum er sich das eigentlich antut. 😂
Nach ungefähr zweieinhalb Stunden erreiche ich schließlich die große Lichtung. Und plötzlich liegt der mächtige Gipfel der Malinche vor mir. Ein gewaltiger Anblick. Rund um den Weg und zwischen dem Gras blühen überall violette Blumen, die mich zunächst ein wenig an Enzian erinnern. Ob es tatsächlich Enzian ist, weiß ich allerdings nicht. Jedenfalls passen die kleinen violetten Blüten wunderbar in diese alpine Landschaft und machen den ohnehin schon beeindruckenden Anblick noch ein bisschen besonderer.
Nicht jeder Gipfel muss heute sein
Von der Lichtung aus könnte es theoretisch noch weiter nach oben gehen. Etwa 1,5 Kilometer sind es noch bis zur eigentlichen Kuppe. Von dort soll sich bei guter Sicht der Blick weit über Puebla eröffnen – mit Popocatépetl und Iztaccíhuatl und bei sehr guter Fernsicht möglicherweise sogar bis zum Pico de Orizaba.
Aber heute bin ich einfach platt. Ich habe meine Pausen zu kurz gehalten und meine Kräfte unterschätzt. Und vor allem unterschätzen viele der Wanderer die dünne Luft auf über 4000 Metern. Die letzten 1,5 Kilometer würden mich vermutlich noch einmal anderthalb bis zwei Stunden kosten. Und inzwischen ist es bereits etwa halb elf. Hinter dem Gipfel ziehen außerdem die ersten Wolken auf.
Also treffe ich eine sehr vernünftige Entscheidung:
Heute nicht.
Statt mich die letzten Kilometer irgendwie nach oben zu quälen, setze ich mich hin, genieße die Aussicht, die ich bereits habe, und lasse die Atmosphäre auf mich wirken. Und das ist vielleicht sogar der schönere Teil. Kein Zeitdruck, kein „Ich muss da jetzt noch hoch“, sondern einfach sitzen, schauen und den Moment genießen.
Der Rückweg
Nach einer ausgiebigen Pause mache ich mich wieder an den Abstieg. Rund anderthalb Stunden später bin ich wieder dort, wo meine KTM geduldig auf mich wartet. Dann Helm auf, Motor starten – und noch einmal etwa 70 Minuten zurück nach Hause.
Was für ein Tag.
Die Malinche sichert sich heute einen festen Platz in meinen Reiseerinnerungen. Nicht nur wegen des Berges selbst, sondern vor allem wegen der Menschen dort oben. Hunderte Wanderer, gute Laune, freundliche Gespräche und dieses schöne Gefühl, gemeinsam unterwegs zu sein. Dazu die Landschaft, die Blumen und dieser gewaltige Berg, der irgendwann einfach vor mir steht.
Mein Tipp für die Malinche
Wer die komplette Tour bis zum Gipfel machen möchte, sollte sehr früh starten. Ich würde spätestens um 6:00 Uhr mit dem Aufstieg beginnen. Dann bleibt genügend Zeit, um langsam und mit vielen Pausen nach oben zu gehen und die Aussicht noch zu genießen, bevor sich die typischen Wolken bilden.
Außerdem würde ich mindestens zwei Liter Flüssigkeit mitnehmen. Ich habe Electrolit dabei – bewusst die Variante mit Zucker – und das tut mir bei der Anstrengung richtig gut. Ein paar belegte Brötchen oder ein anderer kleiner Snack gehören ebenfalls in den Rucksack.
Und vor allem:
Nicht von den ersten 1.500 Metern täuschen lassen. 😂 Die Malinche ist kein Spaziergang. Aber sie ist die Anstrengung allemal wert. Und manchmal muss man eben nicht unbedingt ganz oben stehen, um einen Gipfeltag erlebt zu haben.


















