
Heute ist so ein Tag. Fabian und ich, beide bekennende Fußball-Analphabeten, sitzen vier Tage vor dem Spiel zusammen und stellen fest:
Mexiko spielt gegen Ghana – hier in Puebla. Die Tickets sind überraschend günstig. Also denken wir uns: Warum eigentlich nicht? Jetzt sitzen wir hier – in meinem ersten Fußballstadion überhaupt.
Ankommen zwischen tausenden Fans
Wir parken bei der Galería Liverpool, etwa 15 Gehminuten vom Stadion entfernt. Es ist 16:00 Uhr. Schon hier spüre ich: Das wird kein normaler Abend. Die Galería ist voller Menschen. Überall grüne Trikots, bemalte Gesichter, Fahnen.
Wir laufen durch die Mall, vorbei an Restaurants und Geschäften. Noch wirkt alles entspannt. Fast ruhig. Doch zwei Stunden vor Spielbeginn verändert sich etwas.
Ohne dass jemand etwas sagt, setzen sich plötzlich tausende Menschen gleichzeitig in Bewegung. Alle gehen in Richtung Stadion. Und wir gehen einfach mit.
Ein kurzer Moment im Rampenlicht
Auf dem Weg passiert etwas völlig Unerwartetes: Plötzlich stehen wir vor einer Kamera. Ein Live-Interview im mexikanischen Fernsehen. Und der Reporter stellt diverse Fragen, und war dann auch etwas überrascht, zu erfahren, dass ich aus Deutschland bin. Deshalb seine Frage, was mich ausgerechnet hier her bewegt. Und wie das Spiel unserer Meinung nach ausgehen wird. Und wer die WM wohl gewinnt. Natürlich MEXIKO!
Der Zutritt ist streng, aber alles läuft erstaunlich schnell
Etwa eine Stunde vor Spielbeginn betreten die Mannschaften den Platz zum Aufwärmen. Und plötzlich ist sie da – diese Energie. Als Guillermo Ochoa, Mexikos Tor-Legende, auf den Rasen kommt, geht ein Ruck durch das Stadion. Der Jubel ist laut, direkt, ungefiltert.
Ich merke sofort: Das ist jemand Besonderes. Der Moment, der bleibt. Dann stehen plötzlich alle auf. Es wird still. Für einen kurzen Moment. Und dann beginnt die mexikanische Nationalhymne. Knappe 35.000 Menschen singen gleichzeitig. Nicht perfekt. Aber voller Gefühl. Ich bekomme Gänsehaut. Für einen Moment passiert nichts anderes mehr.
Das Spiel – und alles drum herum
Das Spiel beginnt – und nach fünf Minuten fällt schon das erste Tor für Mexiko. Das Stadion explodiert. Am Ende steht es 2:0 für Mexiko. Es ist eigentlich nur ein Freundschaftsspiel. Aber so fühlt es sich nicht an. Hier geht es um mehr. Es ist die „Proble“ für die bevorstehende WM überhaupt.
Und während auf dem Platz gespielt wird, passiert um mich herum ständig etwas:
Verkäufer laufen durch die Reihen mit Cemitas, Bier, Micheladas. Ein Bier kostet 150 Pesos, also knappe 7,50 Euro. Für Mexiko sind das ganz üppige Preise. Aber das interessiert hier keinen. Hier wird gekauft.
Ich beobachte alles um mich herum, höre zu, lasse alles auf mich wirken. Ich bin irgendwo dazwischen – nicht ganz Fan, nicht ganz Zuschauer.
Die Rückfahrt nach Hause
Nach dem Spiel strömen tausende Menschen gleichzeitig nach draußen. Die Straßen sind voll. Immer noch werden T-Shirts verkauft, ebenso die berühmten poblanischen Cemitas, diesmal zum viertel des Preises vor dem Spiel.
Auf den Straßen herrscht noch Chaos und Stillstand. Ein unglaublich starkes Polizeiaufgebot regelt den Verkehr. Und Stück für Stück fließt der Verkehr wieder mehr. Wir entscheiden uns trotzdem spontan für eine andere Richtung und umgehen so den größten Stau zur Autopista. Langsam wird es ruhiger. Um 23:30 Uhr, nach rund 1,5 Stunden also (für knappe 20 km) dann endlich die Ankunft zuhause.
Fazit
Ich plante diesen Tag nicht. Und genau deshalb bleibt er. Mein erstes Fußballspiel. Ein Abend voller Eindrücke. Und dieser eine Moment, in dem 35.000 Menschen gleichzeitig ihre Hymne singen. Ich bin immer noch Fußball-Analphabet. Aber ich verstehe jetzt ein bisschen besser, worum es hier geht: Nicht nur um das Spiel. Sondern um das Gefühl, Teil von etwas zu sein.











