Die Anfänge der Mexikanischen Revolution
Die Mexikanische Revolution zählt zu den entscheidendsten Umbrüchen in der modernen Geschichte Mexikos. Ihr offizieller Beginn wird auf den 20. November 1910 datiert. Ausgelöst wurde sie durch den Aufruf zum bewaffneten Widerstand im Plan von San Luis Potosí, den Francisco I. Madero am 5. Oktober 1910 veröffentlichte. Ziel war es, die jahrzehntelange Wiederwahl des Diktators Porfirio Díaz zu beenden, das sogenannte Porfiriato zu stürzen und freie, demokratische Wahlen durchzusetzen. Unter dem politischen Leitspruch „Wirksames Wahlrecht – keine Wiederwahl“ entwickelte sich aus diesem Aufruf eine landesweite bewaffnete Bewegung. Bereits im Mai 1911 trat Díaz zurück und ging ins Exil – ein erster großer Erfolg der Revolution.
Regionale Bewegungen und soziale Forderungen
Doch die Revolution war kein einheitlicher Prozess, sondern bestand aus verschiedenen regionalen Bewegungen mit eigenen Zielen. Besonders prägend war der agrarische Kampf im Bundesstaat Morelos unter Führung von Emiliano Zapata. Sein berühmter Ruf „Land und Freiheit“ stand für die Forderung, enteignetes Land an die Bauern zurückzugeben. Im Plan von Ayala erklärte Zapata die Regierung Maderos für illegitim, weil dieser aus seiner Sicht die versprochenen Reformen nicht umsetzte. Zapata fiel 1919 einem Attentat auf der Hacienda Chinameca zum Opfer.
Pancho Villa und der Krieg im Norden
Im Norden Mexikos wurde Pancho Villa, mit bürgerlichem Namen José Doroteo Arango Arámbula, zu einer legendären Figur. Als charismatischer Revolutionsführer, bekannt als der „Zentaur des Nordens“, führte er große Truppenverbände und prägte den militärischen Verlauf des Konflikts maßgeblich. Villa wurde 1923 in Parral im Bundesstaat Chihuahua ermordet.
Innere Konflikte und Machtkämpfe
Die Revolution war zugleich von inneren Machtkämpfen geprägt. Im Februar 1913 ereignete sich der Militärputsch der sogenannten „Zehn tragischen Tage“ (Decena Trágica). Dabei verriet General Victoriano Huerta Präsident Madero, ließ ihn stürzen und später ermorden. Als Reaktion rief Venustiano Carranza den Plan von Guadalupe aus, mit dem er Huertas Regierung für unrechtmäßig erklärte. Carranza übernahm die Führung des konstitutionalistischen Heeres und wurde zu einer zentralen Figur beim Wiederaufbau des Staates.
Als wichtiger sozialer Vorläufer der Revolution gilt der Bergarbeiterstreik von Cananea im Bundesstaat Sonora. Er machte die extremen sozialen Spannungen im Land sichtbar und gilt als eine der Keimzellen des späteren Aufstands.
Kultur und Alltag während der Revolution
Auch kulturell hinterließ die Revolution tiefe Spuren. Typisch für diese Epoche waren die Corridos, erzählende Volkslieder, die Ereignisse, Helden und Tragödien der Revolution besangen. Einer der bekanntesten ist „La Adelita“, gewidmet den sogenannten Adelitas – Frauen, die die Soldaten begleiteten, versorgten und teils selbst kämpften. Sie wurden zu einem Symbol für die Beteiligung von Frauen am revolutionären Geschehen.
Die neue Verfassung und der Aufbau des Staates
Ein zentrales Ergebnis der Revolution war die Verfassung von 1917, die am 5. Februar in Querétaro verabschiedet wurde und bis heute die rechtliche Grundlage Mexikos bildet. In den folgenden Jahren spielte Bildung eine Schlüsselrolle beim Aufbau des neuen Staates. José Vasconcelos, erster Bildungsminister ab 1921, sowie sein Vorgänger Justo Sierra legten wichtige Grundlagen für das moderne mexikanische Bildungssystem.
Bedeutung der Revolution bis heute
In der politischen Geschichte Mexikos gilt die Revolution als dritter großer Wendepunkt – nach der spanischen Eroberung und der Unabhängigkeit. Jedes Jahr am 20. November erinnert der nationale Feiertag an den Beginn dieses tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbruchs, der Mexiko politisch, sozial und kulturell nachhaltig veränderte.
Die Zeitleiste der Mexikanischen Revolution
Die Mexikanische Revolution war kein einzelnes Ereignis, sondern ein jahrelanger, oft brutaler Kampf um politische Freiheit, soziale Gerechtigkeit und die Zukunft des Landes. Hinter jedem Datum dieser Zeitleiste stehen Menschen, Hoffnungen, Verrat, Opfer und der Wille, ein gerechteres Mexiko zu schaffen. Die heutige staatliche Ordnung, viele soziale Rechte und das moderne Selbstverständnis Mexikos sind das Ergebnis dieser konfliktreichen Jahre. Die folgende Chronologie zeigt, wie aus Aufständen, inneren Machtkämpfen und Reformbewegungen Schritt für Schritt ein neues politisches Fundament entstand.



