Kapitel 2 – Koloniales Mexiko (Nueva España)
Die Geschichte Neuspanien beginnt mit der Eroberung von Mexiko-Tenochtitlán zwischen 1519 und 1521. Hernán Cortés, ein spanischer Konquistador, landete am 10. Juli 1519 an der Küste und gründete Villa Rica de la Vera Cruz, das erste städtische Zentrum auf dem amerikanischen Festland. Dort begann er, seine Truppen zu organisieren und Allianzen mit lokalen Völkern zu schmieden. Zu dieser Zeit herrschte in Tenochtitlán Moctezuma Xocoyotzin, der mächtige Herrscher der Mexica.
Die Eroberung war ein langer und blutiger Prozess. Nach anfänglicher Unterwerfung und Verhandlungen kam es zur Noche Triste am 30. Juni 1520, als die Mexica die Spanier in die Flucht schlugen. Hernán Cortés und seine Männer flüchteten, und die Ahuehuete-Bäume in Tenochtitlán zeugen noch heute von diesem historischen Moment. Der Widerstand der Mexica wurde von Cuitláhuac angeführt. Schließlich fiel die Stadt 1521, und Cuauhtémoc, der letzte Kaiser, wurde gefangen genommen und gefoltert, um den Schatz Moctezumas preiszugeben. Mit dem Fall von Tenochtitlán begann die Kolonialzeit in Mexiko, die von nun an als Nueva España bekannt war.
Gründe für die spanische Expansion
Die Spanier verließen ihre Heimat auf der Suche nach Reichtum, Macht und neuen Handelsrouten. Das Ziel war es, das spanische Reich zu erweitern, wirtschaftliche Ressourcen wie Gold, Silber und Land zu erschließen und gleichzeitig die christliche Religion zu verbreiten. Diese Expansion war Teil eines umfassenden kolonialen Plans, um die Macht Spaniens in der Neuen Welt zu sichern.
Aufbau und Verwaltung der Kolonie
Nach der Eroberung wurde Nueva España organisiert. Die Krone setzte Vizekönige ein, die als höchste Autorität die Verwaltung, Justiz und Verteidigung der Kolonie leiteten. Der erste Vizekönig war Antonio de Mendoza, gefolgt von Luis de Velasco, und der letzte war Juan Ruiz de Apodaca.
Zu den frühen administrativen Maßnahmen gehörten die Leyes Nuevas, Gesetze, die den Schutz der indigenen Bevölkerung sicherstellen sollten. In wirtschaftlicher Hinsicht wurden die Ecomiendas eingeführt: indigene Arbeitskräfte wurden einzelnen Conquistadores oder Kolonisten zugeteilt, um Landwirtschaft oder andere Arbeiten zu verrichten. Die Kontrolle und Überwachung der Kolonie lag zudem bei den Visitadores, Sonderinspektoren, die direkt von der spanischen Krone entsandt wurden, um politische, wirtschaftliche und militärische Angelegenheiten zu überprüfen.
Gesellschaftliche Strukturen
Die Gesellschaft war stark hierarchisch organisiert:
- Spaniards → in Spanien geboren
- Creollos → Kinder spanischer Eltern, geboren in der Kolonie
- Mestizos → Mischlinge spanischer Männer und indigener Frauen
- Peones → Lohnarbeiter auf den Haciendas
Zusätzlich entstanden obrajes, kleine Handwerkszentren, in denen Textilien, Wolle und andere Produkte hergestellt wurden. Dort arbeiteten sowohl Indigene als auch verurteilte Sträflinge.
Wirtschaft und Infrastruktur

Die erste Druckerei in Mexiko: Mit der Constitución de Cádiz (1812) begann die Pressefreiheit in Nueva España.
Die Kolonie war wirtschaftlich stark auf Silberminen, Landwirtschaft und Handwerk ausgerichtet. Die reichsten Bewohner wurden durch die Unión de Armas zur Unterstützung der Krone herangezogen, während die Real Hacienda das Finanzsystem und die Steuererhebung organisierte.
Ein wichtiger Schritt in Richtung Informationsverbreitung war die Einrichtung der ersten Druckerei in Mexiko 1539 durch Juan Pablos in Mexiko-Stadt. Diese ermöglichte die Veröffentlichung von Büchern und Verwaltungsdokumenten. Später, im 18. Jahrhundert, erschien die erste Zeitung, die Gaceta de México, die offizielle Nachrichten und Bekanntmachungen verbreitete.
Politik, Recht und Verwaltung
Die Kolonialzeit kann in zwei Phasen unterteilt werden:
- Período fundacional (1519–1610) → Eroberung, Aufbau von Städten, ersten Verwaltungseinrichtungen
- Consolidación (1530–1560) → feste Etablierung der Verwaltung und Kolonialgesellschaft
Im Norden wurden Provinzen wie Nueva Vizcaya gegründet, die heutigen Bundesstaaten Durango, Chihuahua, Sonora und Sinaloa umfassten. Später entstand die Intendencia de Arizpe (1770) zur besseren Verwaltung der Region. Um Kriminalität auf Straßen und ländlichen Gebieten zu bekämpfen, wurde 1719 das Tribunal de Acordada eingerichtet, ein spezielles Gericht zur schnellen Durchsetzung von Recht und Ordnung.
Die Constitución de Cádiz (1812) brachte erste liberale Reformen, einschließlich Pressefreiheit und Regelungen für die Imprenta (Druckereien).
Bildung und Religion
Für die Indigenen wurde das Colegio de la Santa Cruz de Tlatelolco gegründet, die erste höhere Bildungseinrichtung in der Kolonie. Die Religion spielte eine zentrale Rolle in der Integration der Gesellschaft: Die Virgen de Guadalupe wurde zum wichtigsten Kultsymbol, das sowohl Indigene als auch Kreolen verband und bis heute tief verwurzelt ist.
Frühe Unabhängigkeitsbewegungen
Auch wenn die Kolonie zunächst fest in der Hand Spaniens war, entstanden schon früh Gedanken zur Selbstverwaltung. Die Conspiración de Valladolid (1809–1810) plante die Einrichtung eines souveränen Kongresses, der die Kolonie im Namen von Fernando VII. regieren sollte. Diese Bewegung kann als Vorläufer der späteren Unabhängigkeitsbewegung gesehen werden, die 1810 mit Hidalgo ihren Anfang nahm.
Fazit
Die Kolonialzeit in Mexiko war geprägt von Eroberung, Integration und Aufbau einer komplexen Gesellschaft. Verwaltung, Wirtschaft, Religion und Bildung wurden genutzt, um Kontrolle und Stabilität zu sichern. Gleichzeitig entwickelten sich früh Ideen von Selbstverwaltung, die letztlich den Weg zur Unabhängigkeit ebneten. Von der Eroberung Tenochtitláns über die Gründung der ersten Städte und Druckereien bis hin zu frühen politischen Verschwörungen spannt sich ein fesselndes Kapitel der mexikanischen Geschichte, das bis heute Spuren in Kultur und Gesellschaft hinterlässt.
Erstellt am 21. Januar 2026 – Inhalt zuletzt aktualisiert am 21. Januar 2026


