Mexiko Zeitgenössisch

Mexiko Zeitgenössisch: Die Geschichte Mexikos im 20. und frühen 21. Jahrhundert ist geprägt von politischen Reformen, sozialen Veränderungen, wirtschaftlicher Entwicklung und kulturellen Errungenschaften. Sie zeigt den Übergang von einem Land, das von inneren Konflikten geprägt war, hin zu einer modernen Nation mit internationalen Verbindungen.

Gesundheit und soziale Absicherung

Ein zentraler Baustein für die soziale Entwicklung Mexikos war die Einrichtung von Institutionen, die Gesundheit und soziale Absicherung gewährleisten. Das Instituto Mexicano del Seguro Social (IMSS) wurde am 19. Januar 1943 gegründet, um Arbeitnehmer und ihre Familien medizinisch und sozial zu unterstützen. Ergänzend dazu entstand 2004 der Seguro Popular, ein Programm für Menschen ohne feste Anstellung, das ihnen Zugang zu medizinischer Versorgung verschafft. Für Staatsangestellte wurde unter Präsident Adolfo López Mateos der ISSSTE gegründet. Diese Strukturen zeigen, dass Mexiko schon früh erkannte, wie wichtig soziale Sicherheit für die Stabilität und Entwicklung der Gesellschaft ist.

Bildung und Wissenschaft

Bildung spielte im zeitgenössischen Mexiko eine entscheidende Rolle. Präsident Lázaro Cárdenas gründete das Instituto Politécnico Nacional (IPN), das bis heute für technische Ausbildung und Innovation bekannt ist. Für beruflich-technische Ausbildung gibt es zudem das CONALEP (Colegio Nacional de Educación Profesional Técnica). Bereits im 17. Jahrhundert zeigte Sor Juana Inés de la Cruz, dass Bildung ein entscheidender Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe ist. Sie war eine Nonne, Dichterin und Gelehrte, die für das Recht der Frauen auf Bildung kämpfte und noch heute als Symbol für Intellekt und Emanzipation auf dem 100-Peso-Schein abgebildet ist.

Wirtschaftliche Entwicklung und internationale Zusammenarbeit

Mexiko gehört heute zu den bedeutendsten Wirtschaftsnationen der Welt und rangiert auf Platz 16 der globalen Wirtschaftsmächte. Zu den wichtigsten Exportprodukten zählen Rohöl, Autoteile und Kupferprodukte. Internationale Handelsabkommen wie NAFTA (TLCAN), das am 17. Dezember 1992 unter Präsident Carlos Salinas de Gortari mit den USA und Kanada unterzeichnet und am 1. Januar 1994 in Kraft trat, haben Mexiko noch stärker in die Weltwirtschaft eingebunden.

Politik und Revolution

Die mexikanische Politik des 20. Jahrhunderts wurde stark durch Plutarco Elías Calles geprägt. Unter seiner Führung wurde die Ley de Calles, auch „Ley de Tolerancia de Cultos“ genannt, eingeführt, um den Einfluss der katholischen Kirche einzuschränken. Dies führte zum Cristero-Krieg (1926–1929), einem bewaffneten Konflikt zwischen der Regierung und katholischen Gruppen.

Calles gründete 1925 den Banco de México und 1929 das Partido Nacional Revolucionario (PNR), den Vorläufer des PRI (Partido Revolucionario Institucional), der Mexiko von 1930 bis 2000 politisch dominierte. Während der sogenannten Maximato-Periode (1928–1934), nach der Ermordung von Präsident Álvaro Obregón, standen die Präsidenten Emilio Portes Gil, Pascual Ortiz Rubio und Abelardo Rodríguez Luján unter dem starken Einfluss Calles’.

Präsidenten und gesellschaftliche Reformen

Präsident Lázaro Cárdenas verfolgte sozial-ökonomische Reformen und setzte sich insbesondere für die Rechte der Bevölkerung ein. Am 18. März 1938 nationalisierte er die Ölindustrie und stärkte damit die wirtschaftliche Unabhängigkeit Mexikos. Unter seiner Regierung entstanden auch wichtige Bildungsinstitutionen wie das IPN.

Kulturelle Symbole wurden unter anderen Präsidenten errichtet: Unter Manuel Ávila Camacho entstand die Diana Cazadora, auch bekannt als „Flechadora de las Estrellas del Norte“. Während des Zweiten Weltkriegs erklärte Mexiko unter Ávila Camacho den Krieg gegen die Achsenmächte und beteiligte sich mit der Expeditionsluftstreitkraft Escuadrón 201, die in den Kämpfen aktiv war.

Frauenrechte und Demokratie

Ein Meilenstein für die Gleichberechtigung war das Wahlrecht für Frauen, das am 17. Oktober 1953 gesetzlich verankert wurde. Zwei Jahre später, am 3. Juli 1955, nahmen Frauen erstmals an Wahlen teil. Diese Reformen waren ein entscheidender Schritt hin zu mehr politischer Teilhabe und sozialer Gleichstellung.

Infrastruktur, Urbanisierung und Kultur

Paseo de la Reforma

Paseo de la Reforma

Mexiko-Stadt entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer modernen Metropole. Der Metro-Bau in Mexiko-Stadt begann unter Präsident Gustavo Díaz Ordaz und die rosa Linie wurde am 4. September 1969 eröffnet. Die Torre Latinoamericana, eröffnet 1956, symbolisiert die Modernisierung der Stadt und hat mehrere Erdbeben unbeschadet überstanden. Die Biblioteca Central der UNAM wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Die wichtigste Straße der Hauptstadt, die Avenida Reforma, wurde von Präsident Sebastián Lerdo de Tejada benannt und prägt noch heute das Stadtbild. Der Zócalo, das Stadtzentrum, wird auch als „Plaza de la Constitución“ bezeichnet, und das historische Zentrum Mexiko-Stadts ist bekannt als „die Stadt der Paläste“.

Soziale Konflikte und internationale Diplomatie

1968 war ein besonders bewegtes Jahr: Die größte Studentenbewegung erreichte am 26. Juli ihren Höhepunkt, bevor es am 2. Oktober 1968 zur blutigen Niederschlagung auf dem Platz von Tlatelolco kam. Mexiko hat sich international auch als Friedensakteur hervorgetan: Mit dem Tratado de Tlatelolco (14. Februar 1967) verpflichtete sich Lateinamerika zur Nichtverbreitung von Atomwaffen – ein Erfolg, der Alfonso García Robles den Friedensnobelpreis 1982 einbrachte.

Finanzwesen

Unter Präsident José López Portillo wurde am 1. September 1982 die Bankenlandschaft nationalisiert. Solche Schritte unterstreichen die Bemühungen der mexikanischen Regierung, ökonomische Stabilität und nationale Kontrolle über strategische Ressourcen zu sichern.

Zeitgenössische Entwicklungen

Mexiko hat sich in den letzten Jahrzehnten modernisiert und international geöffnet. Die mexikanische Bevölkerung im Ausland durfte ab 2005 erstmals wählen. Am 31. Dezember 2015 wurde das analoge Fernsehen abgeschaltet und die Übertragung auf digital umgestellt (Apagón analógico). Ein bedeutender administrativer Schritt war die Umbenennung des Distrito Federal in Ciudad de México am 29. Januar 2016, wodurch die Stadt mehr Autonomie erhielt.

Industrie, Produktion und soziale Realität

Mexiko ist ein wirtschaftlich vielfältiges Land: Guanajuato ist führend in der Schuhproduktion, während Öl, Kupferprodukte und Autoteile zu den wichtigsten Exporten zählen. Gleichzeitig bleibt soziale Ungleichheit eine große Herausforderung – Mexiko gehört nicht zu den Ländern Lateinamerikas mit geringer sozialer Ungleichheit.

Monumento de la Revolución, Mexikostadt

Monumento de la Revolución, Mexikostadt

Monumente und Symbole

Historische und kulturelle Monumente prägen das moderne Mexiko:

  • Das Monumento a la Revolución, ursprünglich als Palacio Legislativo geplant, erinnert heute an die Revolution Mexikos.
  • Die Estela de Luz, eingeweiht am 7. Januar 2012, feiert das Bicentenario der Unabhängigkeit und das Centenario der Revolution.
  • Die Torre Latinoamericana symbolisiert die Widerstandsfähigkeit der Stadt gegen Erdbeben und ihre Modernisierung.

Diese Bauten sind nicht nur touristische Highlights, sondern auch sichtbare Zeichen der politischen und sozialen Entwicklung Mexikos.