Kapitel 1: Mesoamerika: Eine Reise in das prähispanische Mexiko

Als prähispanisches Mexiko bezeichnet man die Zeit vor der spanischen Eroberung im Jahr 1521.
Es ist die Geschichte der vielen Völker, die hier lebten, bevor Europa eingriff: Olmeken, Mayas, Zapoteken, Tolteken, Purépechas, Mexicas (Azteken) und viele andere.

Diese Kulturen entwickelten hochkomplexe Formen von:

  • Landwirtschaft (vor allem Mais)
  • Handel (mit Kakao als Tauschmittel)
  • Architektur (Pyramiden, Tempel, Städte)
  • Kunst und Schrift
  • sozialer Organisation und Religion

Als die Spanier kamen, trafen sie nicht auf „primitive Stämme“, sondern auf hochorganisierte Zivilisationen.

Mais, Kakao und Alltag

Die Ernährungsbasis fast aller mesoamerikanischen Völker war Mais.
Mais war nicht nur Nahrung, sondern auch Teil der Mythologie – der Mensch wurde nach Vorstellung vieler Kulturen sogar aus Mais erschaffen.

Für den Handel war Kakao extrem wichtig.
Kakaobohnen dienten als Tauschmittel – fast wie Geld.
Man konnte damit Kleidung, Werkzeuge oder Lebensmittel bezahlen. Deshalb war der Kakao-Gott Ek Chuah bei den Mayas auch Gott des Handels.

Zeitliche Einordnung – die drei großen Epochen

Mesoamerika wird grob in drei Perioden eingeteilt:

Präklassik (ca. 2500 v. Chr. – 200 n. Chr.)

  • Entstehung der ersten großen Kulturen
  • erste Städte, erste Reiche
  • Blütezeit der Olmeken

Klassik (ca. 200 – 900 n. Chr.)

  • stärkste kulturelle Entwicklung
  • große Städte, Wissenschaft, Kunst
  • Hochphase von Teotihuacán und der klassischen Maya-Städte

Postklassik (ca. 900 – 1521)

  • mehr Kriege, politische Bündnisse
  • Dominanz der Tolteken und später der Mexicas (Azteken)

Der größte kulturelle und wissenschaftliche Fortschritt fand in der klassischen Periode statt.

Die Olmeken – die „Mutterkultur“

Die Olmeken gelten als die cultura madre, die Mutterkultur Mesoamerikas.

Zentren:

  • San Lorenzo (ältestes)
  • La Venta (wichtigstes)
  • Tres Zapotes

In La Venta (Tabasco) steht auch die älteste bekannte Pyramide Mesoamerikas, aus Lehm und Erde.

Berühmt für:

  • kolossale Steinköpfe
  • Altäre (Steintische für Rituale)
  • starke Jaguarsymbolik → der Jaguar galt als göttliches Wesen

Viele religiöse Vorstellungen, Kunststile und Stadtstrukturen späterer Kulturen gehen auf die Olmeken zurück.

Die Maya – Meister von Zeit, Zahlen und Sternen

Die Maya-Zivilisation erstreckte sich über:

  • Chiapas
  • Yucatán
  • Quintana Roo
  • Guatemala
  • Belice
  • Teile von Veracruz

Sie waren berühmt als:

  • Mathematiker
  • Astronomen
  • Kalender-Experten

Sie entwickelten:

  • das Zahlensystem mit der Null (eine absolute Weltpremiere)
  • die Cuenta Larga, einen Langzeitkalender zur Datierung von Geschichte

Götterwelt:

  • Ixchel – Mond- und Fruchtbarkeitsgöttin
  • Ek Chuah – Gott des Handels und des Kakaos

Bedeutende Städte:

  • Palenque
  • Yaxchilán
  • Toniná (mit der höchsten Pyramide Mexikos, ca. 75 m)
  • Tikal
  • Calakmul
  • Uxmal
  • Chichén Itzá
  • Copán

In Chichén Itzá steht der berühmte Tempel des Kukulkán, auch „El Castillo“ genannt, wo zur Tagundnachtgleiche die Schatten einer Schlange die Stufen hinabgleiten.

Teotihuacán – die Stadt der Götter

Teotihuacán war keine Maya- oder Aztekenstadt, sondern eine eigene riesige Metropole.

Bedeutung:

  • „Ort, an dem die Götter geboren wurden“

Besonderheiten:

  • Pyramide der Sonne
  • Pyramide des Mondes
  • Calzada de los Muertos (2 km Hauptstraße)

Gebaut zwischen 0 und 200 n. Chr., war sie zeitweise eine der größten Städte der Welt.

Bevölkerung:

  • verschiedene Ethnien: Nahua und Otomí

Wirtschaft:

Aus dem Maguey gewannen sie:

  • Pulque
  • Seile
  • Textilfasern

Die wichtigste Gottheit war Quetzalcóatl, die gefiederte Schlange – eine Figur, die später fast alle Kulturen übernahmen.

Teotihuacán hatte großen Einfluss bis nach Tikal in Guatemala.

Die Zapoteken – Monte Albán

Die Zapoteken lebten in den Tälern von Oaxaca:

  • Etla
  • Tlacolula
  • Zimatlán

Ihre Hauptstadt war Monte Albán, auf einem künstlich abgeflachten Berg gebaut.

Berühmt ist das Gebäude der Danzantes –
Figuren, die wie tanzend oder sich windend wirken, vermutlich Gefangene oder Opfer.

Die Tolteken – Tula und das Kriegerideal

Die Tolteken siedelten in Tula (Hidalgo).

„Tolteca“ bedeutet schlicht: Bewohner von Tula.

Tula heißt im Nahuatl: Ort des Schilfs (Tular).

Berüchtigt war der Tzompantli – ein Gestell, auf dem die Schädel geopferter Menschen ausgestellt wurden.Auch hier war Quetzalcóatl eine zentrale Figur.

Die Tolteken galten später bei den Azteken als fast mythische Vorfahren.

Die Mexicas (Azteken) – das letzte große Reich

Die Mexicas, oft Azteken genannt, dominierten die Postklassik.

Hauptstadt:

  • Tenochtitlán, gegründet 1325
  • fiel 1521 an die Spanier

Heute liegt dort Mexiko-Stadt, und das Templo Mayor markiert das alte religiöse Zentrum.

Götter:

  • Huitzilopochtli – Krieg
  • Tlaloc – Regen
  • Tonatiuh – Sonne
  • Chalchiuhtlicue – Wasser
  • Coatlicue – Fruchtbarkeit
  • Xólotl, oft mit dem Axolotl verbunden

Chinampas:

Künstliche Insel-Felder im Seegebiet – extrem produktiv.
Heute noch sichtbar in Xochimilco.

Schulen:

  • Calmecac – für Adelige
  • Telpochcalli – für das Volk

Herrscher:

Der Titel war Tlatoani – „der Sprecher“.

Städte:

Sie nannten ihre Stadtstaaten Altepetl – „Wasserberg“, Symbol für politische Einheit.

Bündnisse:

Die Triple Allianz:

  • Tenochtitlán
  • Texcoco
  • Tlacopan

Herkunft und heutige Völker

Die Mexicas kamen laut Mythos aus Aztlán, dem „Ort der Reiher“.

Bis heute gibt es viele indigene Gruppen in Mexiko:

  • Tarahumara (Chihuahua)
  • Purépecha (Michoacán)
  • Tepehuanes (Durango)
  • Kikapú (Coahuila)
  • Chontales (Tabasco)
  • Chichimeca Jonaz (Guanajuato)

Insgesamt existieren heute 68 indigene Sprachen in Mexiko – ein lebendiges Erbe dieser Kulturen.

Zum Schluss

Mesoamerika war kein einzelnes Reich, sondern ein riesiges kulturelles Netz,
in dem Ideen, Götter, Handel, Architektur und Kalender von Kultur zu Kultur weitergegeben wurden.

Die Olmeken legten die Grundlagen,
die Maya perfektionierten Wissenschaft und Zeit,
Teotihuacán vernetzte den Handel,
die Tolteken prägten das Kriegerideal,
und die Mexicas bündelten am Ende die politische Macht.

Und wann immer man sich in Mexiko aufhält, sollte man stets vor Augen halten, dass
unter jedem Hügel, unter jedem Dorf, unter jedem Wald all diese Geschichten liegen.


Erstellt am 18. Januar 2026 – Inhalt zuletzt aktualisiert am 21. Januar 2026